And the Winner is... (!)

Zum Abschluss wird es noch mal ein klein wenig feierlich, auch wenn die langen zähen Worte dankenswerterweise ausfallen. Im Rahmen der Festivalkooperation des Zeitzeug_ mit Arena...der jungen Künste benennen die drei Vertreterinnen aus Erlangen, die in den vergangenen Tagen dem Programm aufmerksam beigewohnt haben, den Zeitzeug_Künstler, den sie zum kommenden Festival im Juni 2016 einladen möchten: Die "Freifahrt" erhält Tommy Neuwirth, dem freigestellt ist, ob er seine Performance "Verarbeite, was dich verarbeitet 2" noch einmal präsentiert - oder aber ein anderes Projekt. Den liebevoll gebastelten Preis konnte er, bereits abgereist, leider nicht persönlich entgegennehmen, und bis zum Zeitpunkt der Benennung war es auch noch nicht gelungen, ihn telefonisch zu erreichen. Dennoch herzlichen Glückwunsch!

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Produktivität des Brutkastens

ⓒ Lukas Frye
ⓒ Lukas Frye

Zunächst waren nur fünf Kastenwesen. Aber der Brutkasten hat in vier Tagen eine ganze Wand von ihnen hervorgebracht: Wir alle sind zu Kastenwesen geworden. Der Dauerkreativprozess im 1. Obergeschoss der Zukunftsakademie hat in auch körperlich erlebbarer Brutkastenatmosphäre drei Tage lang ein Eigenleben entwickelt und kreative Ideen, wilde Erlebnisse, Werke unterschiedlichster Art bis zum Deckel in sich aufgetürmt.

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Performance "Im Orbit des Imaginären"

Kratzen, Rauschen, Knistern. Barfuß mit einer Art Stethoskop mit Mikro versehen in der Hand untersucht Performancekünstlerin Anja Plonka Leisten, Wände, Türrahmen und schlängelt sich im roten Kleidchen in Geheimagentin-Manier im Raum entlang. Was ist da am Schlüsselloch? Knack, zischsch, rrrrrtsch. Sie springt auf das Fensterbrett und fährt mit dem Stethoskop am Rahmen umher. Die Geräuschkulisse wird für das Publikum lauter, unangenehmer. Plonka bewegt sich sicher und zielstrebig im Raum, lautlos und mit festem Blick treibt sie Zuschauer auseinander und bahnt sich ihren Weg. Auch alle im Raum befindlichen Tische (bis auf der des Technikers) werden den Zuschauern buchstäblich unter den Armen weggezogen und untersucht. Als wolle sie den statischen Gegenständen Leben einhauchen, sie hörbar machen für das Publikum.

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Über Brüder und Schwestern

Geschwisterliebe ist Hassliebe. Das würden alle, die selbst mit Brüdern oder Schwestern aufgewachsen sind, so unterschreiben. Und davon erzählen auch in diesem Stück fünf ungleiche Geschwisterpaare, die genauso schnell aneinander geraten, wie sich ihre Konflikte auch wieder in Luft auflösen. Es wird erzählt von geteilten Zimmern, gemeinsamen Betten und schlechtem Zeitmanagement, das bei der gemeinsamen Nutzung des Badezimmers an seine morgendlichen Grenzen stößt. Privatsphäre gibt es wenig, Intimität dafür umso mehr. Nie verlassen die Darsteller_innen vollständig den Bühnenraum, und auch wenn sich zwei Geschwister miteinander prügeln oder aus ihren Erinnerungen an die gemeinsame Kindheit erzählen, sitzen die anderen andächtig neben dran. 

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Orfeo

Wummernde Bässe dringen durch verschlossene Türen nach außen. Davor mit verschränkten Armen eine Gestalt in Ledermantel und Gasmaske. Ist das hier ein geheimer Technoclub? Oder schon der Hades, vom Wächter der Unterwelt bewacht? Wir werden vorerst jedenfalls nicht eingelassen, stehen draußen im Nieselregen und verspüren leichte Ungeduld, auch durch die aufziehende Kälte zu erklären. Dann die Erkenntnis: Orpheus beziehungsweise Orfeo ist einer von uns. Seine Stimme, die Eurydike zurückfordert, erklingt in unserer Mitte. Die Geliebte ist hier wie auch in der griechischen Mythologie sein Lebenssinn; ohne sie will er nicht sein. Aber wie sieht das Eurydike? Die ist zunächst verschwunden und mit unserem Eintritt ins Gebäude beginnt die verzweifelte Suche nach ihr. Wir werden von einer Ecke in die nächste geführt, immer wieder unterbrochen und beschimpft von einer Frau im Arztkittel. Orpheus behandelt sie wie einen nicht zurechnungsfähigen Pflegefall und hier werden entsteht zum ersten Mal der Eindruck, dass wir dem verzweifelt Liebenden durch eine psychiatrische Einrichtung folgen, aus der es kein Entkommen gibt. Ein rappender Pandabär schwächt diesen Eindruck zumindest nicht ab und wirkt entfernt wie eine Hommage an Wolfgang Herrndorf - der ließ sich selbst im Pinguinkostüm in die psychiatrische Klinik einweisen, in der das Stück uraufgeführt wurde.

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"Verarbeite, was dich verarbeitet 2"

Ehrlich währt vielleicht nicht am längsten, aber doch eine Dreiviertelstunde. Und Möbelstücke aus Fritz-Kola-Kästen sind längst kein fancy Gimmick mehr, sondern eine als selbstverständlich integrierte Institution. Ganz klassich nutzt der Performer sie als körperliche Erhöhung und versammelt unsere Aufmerksamkeit, bevor er beginnt, Wind zu machen: um uns vor dem zu warnen, was kommt. Erst werden wir ein paar Filme zusammen gucken, dann Obacht weil Stroboskopichteinsatz, und dann zieht er sich aus. Also los.

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Podiumsdiskussion "Best Practice Utopia: Es kann richtig gut werden"

"Practicing Utopia"

Ort: Zukunkftsakademie

Zeit: an einem grauen Novembernachmittag

In den Rollen:

Timo Köster als Kulturdezernent der Stadt Hagen und geleckter Anzugträger

Julia Wissert als ultrafeministische Intendantin in Bottrop

Azize Flittner als Bekämpferin des IS und des Patriarchats

Julia Nitschke als Tee schlürfende Videobotschafterin und Like-Button-Verfechterin

Annette Dabs als utopistische Email-Stimme, verlesen durch Azize Flittner

Oliver Kontny als eingeschüchterter weißer, männlicher, heterosexueller Moderator

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Installation "Sehtest"

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Fünf Fragen an Heinz Friedrich

Heinz Friedrich hat sich der Analogen Transformation verschrieben: der HTML-Code von Google wird in Strickschrift übersetzt und dann in grün-graue Strickware umgewandelt. Nebenbei führt er_sie mit dem eigenen Körper eine Raumstudie durch und leidet sich durch anstrengende Erfahrungen im Einkaufszentrum in der Bochumer Innenstadt.


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Audioperformance "qwqwi"

ⓒ Lukas Frye
ⓒ Lukas Frye

Ein Wechsel aus Harmonie und Dissonanz, aus sich zu rhythmischen Einheiten bildenden Bausteinen und oppositionären Klangelementen. Zu Beginn versprach der Einzug der Audioperformance „qwqwi“ noch ganz Anderes: im Gänsemarsch laufen die vier Mitglieder_innen ausgestattet mit Blockflöte die Treppe hinunter zu der ‚Soundstation’. Dort angekommen werden diese aber abgelegt und die Klänge gehen ins Experimentelle – Alltagsgeräusche aus der Küche: Walnussknacken im Tackt, abgewechselt von dem Hacken von Petersilie und dem Motorgeräuschen eines Handmixer. Darauf folgen später unter anderem wummernder Bass abgelöst oder teils unterstützt von hohen Quietschtönen. Die Audioperformance eröffnet seinen Zuhörer_innen mal harmonische, groovige Sequenzen, nur um diese damit kurz darauf wieder in fordernden arrhythmischen Sequenzen zu brechen und verlangt dem Publikum damit auditiv viel ab: „qwqwi“ geht durch Haut und Haar.

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Clapping for beginners mit der Mary Mack-Kombo

©Lucas Frye
©Lucas Frye

Es ist ein Spiel, steht im Programmheft. Eins zwischen Regisseuren, Performer_innen und dem Publikum; und das beschreibt die Sache schon ganz gut. Auf allen Sitzen verteilte Handzettel erklären die Spielregeln: Es darf geklatscht, gehustet, gepfiffen werden - geheime Kommandos, die sofortige Reaktionen der Kombo auf der Bühne zur Folge haben. Klatschen: Rollenwechsel vorne und damit Szenenwechsel. Kommt gut an beim Publikum, fast zu gut, denn irgendwann wird so oft geklatscht, dass jede gerade gestellte Impro-Aufgabe im Sand verläuft. Vieles ist aber so mitreißend, dass niemand ausversehen dazwischen klatscht; etwa die Erinnerung an eine Begegnung, die in Form einer Fabel und von Pantomime begleitet daherkommt. Am Ende ist die dreistündige Aktion mit einer Wasserlache von verheerenden Ausmaßen so unterhaltsam, dass die meisten nur rausgehen, um sich schnell ein Bier oder einen Kaffee zu holen.

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Installation "Šulak ad-Dajjal"

Wir schieben einen schwarzen Vorhang beiseite und finden uns in einem fahl beleuchteten Raum wieder. Zwei Paar Kopfhörer, einige Kissen auf dem Boden. Zwei alte Fernseher davor. Es knackt in den Kopfhörern, die Bildschirme leuchten auf. Und zeigen zwei verschiedene, ständig wechselnde Bilder. Unscharf, verwackelt, nur assoziativ erschließbar. Meer wird zu Tierfell wird zu einem Blätterdach, dazwischen Zahnräder. Oder sind das Augen? Vielleicht aber auch was ganz anderes.

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"Book Shelf Human Body Cyborg Labyrinth"

Ich suche das Phantom Cyborg und zwar in der Stadtbücherei Bochum. Erstmal heißt es: "Tasche und Mantel ablegen. Haben Sie irgendwelche Gegenstände dabei mit denen Sie Andere gefährden könnten?" Ich bekomme eine Identifikationsnummer: C00005. Der Herr im weißen Kittel vom Eingang bittet mich, zur ersten Station zu gehen, betitelt mit Ziffern, nummerisch aufsteigend. Dort werde ich vom Schild aufgefordert, innezuhalten und meine Umgebung warzunehmen. Spärlich ausgeleuchtet in klinischem Grünton türmen sich Bücherregale auf beigem PCV-Boden, dazu einige Menschen mit Klemmbrettchen in weißen Kitteln, die wichtig geschäftig umherlaufen: Das partizipative Book Shelf Human Body Cyborg Labyrinth. Wo sind sie, die Cyborgs?

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Eindrücke aus der Türkei: Film und Ausstellung in der Stadtbücherei

"Kinderspiele in Südost-Anatolien" hat Emel Aydoğdu ihre dokumentarische Fotoausstellung genannt. Beim ersten Blick auf die 14 Bilder nimmt sich das ganz nett aus - muntere bunte Eindrücke vor Hauseingängen und staubig grauen Straßen. Aber dann ploppt ein Paradox auf. Wie passen der Bäcker (#4), der Luftballon-, der Souvenir-, der Zuckerwatteverkäufer (#6, 7, 9) ins Schema? Kinder sind sie ohne Frage - aber was sie machen, wirkt jetzt eher nicht wie der hölzerne Kaufmannsladen in mitteleuropäischer Tradition. Bitterböse Kinderarbeit also? Oder muss hier irgendwie anders gedacht werden?

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Momentaufnahme: Sausengedanken

[Innerer Monolog des Erdmännchens ungeklärten Namens, vor dem Mikrofonständer, Bühnenecke, Die Trompete, Viktoriastraße, 12.11.15, zirka 22.58 Uhr.]

Wie üblich rockts mir nur im Rücken. Respektive, meine aufmerksamen Lauscher dürfen miterleben, wie die Bad Cooks hinter mir jazzig-funkig abgehen, und mir bleibt der nachlässig schiefe Blick schräg nach vorne durch die Mitte ins Auge: ja ja, ins Publikum. Wenigstens haben die sich alle mal hier runterbequemt, treppab treppab, ins atmosphärisch palettige Kellerloch. Sind doch gar nicht so wenige. Einigen hängen ein paar düstere Schatten um die Augen, aber lieber abends die Astrapulle in der Hand als die Champagnerdusche am Morgen auf dem heißen Blechdach, wie ich gerne sage. Obacht, jetzt fangen sie da hinten auch noch an zu tanzen!

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Ausstellung "Weiberkabinett"

Design your perfect vagina!

Poblemzone?


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